Psychoneuroimmunolgie

Mitte der 1970-er Jahre hat sich die wenig beachtete Fachrichtung "Psychoneuroimmunologie" etabliert (ab Mitte der 1990-er Jahre "Neuro-Endokrino-Immunologie" genannt). Die Wirkungen psychischer Stressoren (Stimmung, Wahrnehmung, Lebensumstände etc.) auf das Immunsystem und das gesamte Befinden des Menschen werden dabei untersucht.

 

Das Nerven- und Immunsystem beeinflussen und steuern sich wechselseitig. Die Weichenstellungen für spätere Krankheiten werden gerade in der frühen Kindheit festgelegt. Die Fähigkeit "selbst" von "fremd" zu unterscheiden, erlernen die T–Zellen des Immunsystems lange vor der Geburt bis zur Pubertät in der Thymusdrüse. Affekte (automatisch mit Gefühlen verbundener Ausdruck) und Affektkontrolle, d.h. wie wir in der Welt sind mit Humor, Freude, Moral und Ethik, werden von der rechten Gehirn-Hemisphäre geprägt (in den ersten eineinhalb Jahren ausgebildet zu 80%). Emotional leben, lernen wir also bevor das Denken beginnt. Die linke Gehirn-Hemisphäre schafft zeitversetzt dazu Begrifflichkeit und Selbst-Bilder. Diese Selbst-Bilder sind es, die uns als Erwachsene einschränken und uns ein einfältiges statt vielfältiges und zufriedenes Leben bescheren.
Selbst-Erkenntnis und Selbst-Bewusstsein entwickeln sich also in der Kindheit. ´

 

Ein gestörtes psychisches Selbstbewusstsein und ein Selbstbewusstsein auf der Ebene der Körperzellen (biochemisch durch MHC-Proteine repräsentiert) bedingen sich also gegenseitig. Diese Tatsache hat weitreichende Konsequenzen in Bezug auf erfolgsversprechene Therapiekonzepte. Ein Ziel der Therapie, neben der Behandlung physischer Dysregulation, sollte damit auch sein den Menschen, dessen 

Immunsystem eigene Organe angreift und zerstört, zu unterstützen sich selbst wieder zu erkennen und neu kennenzulernen.

 

Herauszufinden, wer gemeint ist, wenn der oder die Betreffende „ICH“ sagt. Selbstbilder und überholte Lebensgewohnheiten müssen dabei häufig in Frage gestellt werden. Manchmal ertönt Un-Erhörtes wieder, das wofür die Sinne im Laufe der Sozialisierung taub geworden sind, und erinnert an die individuellen, eigen-artigen Wünsche, Bedürfnisse und Aufträge, die jeder ins Leben mitbringt
und die nur von ihm oder ihr selbst verwirklicht werden können. Krankheit ist in diesem Fall nicht nur Ausdruck und Resultat vergangener Ereignisse, sondern weist auch wie ein Gestaltungs-Auftrag in die Zukunft. Krankheit erweist sich dann oft als (Um-)Weg, um dringend Notwendiges im Leben zu verwirklichen. Fragen, die in diesem Zusammenhang therapeutisch wichtig werden – und häufig von Therapeuten und Patienten nicht gestellt werden – zielen darauf ab zu verstehen, was diese Unterbrechung im gewohnten Lebenslauf zu bedeuten hat.

 

> Was möchte noch von mir gelebt werden?

> Wofür bin ich auf dieser Welt?
> Welchen Sinn gebe ich meinem Leben – mit und ohne Kranksein?
> Was hat sich durch die Krankheit für mich positiv verändert?

   („mehr Zeit für mich…“ / „gesehen werden…“/ „aussteigen aus

   unbefriedigender Lebenssituation…“)

> Wie kann ich das verwirklichen ohne krank zu sein.


In der Therapie können ungewohnte sinnliche Erfahrungen zur Reifung kommen, um wieder entscheiden zu können, wie ich meine Aggression einsetzen kann. Aggression nicht als Feindseligkeit, sondern als Fähigkeit auf das zuzugehen was mir gut tut, davon wegzugehen was mir schadet, oder dagegen anzugehen was mich bedroht.

 

Die Aggression, eine menschliche Eigenschaft, die den Menschen mit dem Tier verbindet und von Pflanze und Mineral unterscheidet. Im Fall der Autoaggression ist der Mensch fixiert auf das `dagegen´, anstatt die Eigenverantwortung zu übernehmen, andere Menschen,Lebenssituationen, Lebensweisen und Orte aufzusuchen, die mehr seinen Bedürfnissen gerecht werden – oder zu verlassen, wenn sie ihm schaden. Die Orientierungslosigkeit, die
sich in der Krankheit mikrokosmisch auf Zellebene widerspiegelt, hat ihre Entsprechung im makrokosmischen Bereich des gestörten Beziehungslebens, d.h. in der Beziehung zu sich selbst, zu den Mitmenschen, der umgebenden Natur und zu einer allumfassenden, größeren Ordnung, die wir als göttlich bezeichnen.

 

So ist Krankheit immer auch ein Aufruf der Natur wieder in die Ordnung zu kommen.Hier sind Therapeuten aller Fachrichtungen aufgefordert, neben der oft notwendigen Arzneitherapie, weitere Möglichkeiten zu schaffen, den kranken Menschen in der Anamnese und der folgenden Therapie heil werden zu lassen. Heilung bedeutet in diesem Sinne immer, sich an seine Ganzheit zu erinnern, an das was der Mensch im Prinzip (lat. ad principium: von Anfang an) vor seinen Identifikationen war und wollte und jetzt dringend zu einem befriedigenden und gesünderen Leben braucht. Wir erleben in unserer heutigen (urbanen) Welt immer mehr das Phänomen, dass sich Menschen, die gegenseitig voneinander abhängig sind, gegeneinander wenden. Im Fall der Autoimmunerkrankungen stehen wir vor einer neuen Dimension dieser krankhaften Tendenz, nämlich, dass sich der einzelne aus unbewusster Hilf- und Orientierungslosigkeit gegen sich selbst wendet (in der Psychologie ist dieses Phänomen ebenfalls bekannt unter der Bezeichnung ‘Retroflektion’). Wenn wir diesen Umstand nicht berücksichtigen und in die Therapie miteinbeziehen, werden wir auf das Wesen der Autoimmunkrankheiten keinen Einfluss nehmen können und mit unseren selbstbeschränkten medizinischen Möglichkeiten an der Peripherie des Krankheitsgeschehens bleiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: http://www.praxis-breitenberger.de/medizinische-beratung/autoimmunerkrankungen/