Ursachen und Auslöser

Es sind für Autoimmunkrankheiten keine eindeutigen Ursachen bekannt. Seit Mitte der 1980- er Jahre hat sich die medizinische Forschung fast ausschließlich auf genetische Defekte als Ursachenmodell konzentriert. Heute setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass ein genetisches Merkmal allein nur sehr selten eine Krankheit ausbrechen lässt. Meist sind bestimmte Auslöser in einer labilen Lebenssituation der Krankheit vorausgegangen. Es werden verschiedene Auslöser diskutiert, die immer mehr oder weniger an der Entstehung beteiligt sind.

Störung der Immuntoleranz:
Hauptakteure in diesem Geschehen sind B–Zellen (reifen im Knochenmark und sorgen für die humorale Abwehr) und T–Zellen (reifen im Thymus und sorgen für die zelluläre Abwehr). Der Mechanismen der Toleranzvermittlung ist nicht vollständig geklärt. Drei Hypothesen sind von besonderer Bedeutung:

> T–Zellen differenzieren sich in T–Killerzellen, T–Regulatorzellen und T–Helferzellen. T–Regulatorzellen kümmern sich um die Balance. Wenn diese Balance gestört ist, kommt es zu einer autoimmunen Reaktionen.

> In der Thymusdrüse lernen die T–Zellen sogenannte Selbsterkennungsproteine zu identifizieren. Diese MHC–Proteine sind verantwortlich für die Oberflächenstruktur körpereigener Zellen, d.h. deren Ausweis. Nur 3% der T–Zellen schaffen diesen Test. Der Rest wird aussortiert. Können sich T–Zellen durch diese Prüfung "mogeln", erkennen sie später körpereigenes Gewebe nicht und lösen autoimmune Entzündungsprozesse aus.

> Auch bei manchen gesunden Menschen gibt es noch autoreaktive B–Zellen (Lymphozyten). Damit liegt der Schluss nahe, dass diese im Lauf der embryonalen Entwicklung nicht zerstört, sondern nur aktiv gehemmt werden. Durch irgendwelche Ursachen (Stress, Umweltbelastung, Infekte, genetischer Defekt…) werden diese autoreaktiven Zellen übermäßig aktiviert.

Fehlprogrammierung durch molekulare Mimikry:

Verschiedene bakterielle und virale Infekte können offensichtlich eine Autoimmunkrankheit auslösen. Der Erreger hat in diesem Fall große Ähnlichkeit mit der Struktur körpereigenen Gewebes. Dies dient dem Erreger als Tarnung um ungehindert in den menschlichen Organismus eindringen und sich vermehren zu können. Bekannt sind die Fälle von rheumatischem Fieber nach Streptokokkeninfekt oder das gehäufte Auftreten von juvenilem Diabetes mellitus nach einer Virusinfektion wie Masern. Auch werden häufig Autoimmunkrankheiten nach Mononukleose beobachtet. Immer deutlicher wird auch, dass Impfungen einzelne Autoimmunprozesse begünstigen bzw. aktivieren können. Besonders auffällig ist hierbei der Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Multipler Sklerose und einer Impfung gegen neurotrope Erreger (Polio, Masern, Tetanus, FSME).

Umweltfaktoren

 

> Hygiene-Hypothese:
Autoimmunkrankheiten sind – ebenso wie Allergien und Krebserkrankungen – in den westlichen Ländern stetig auf dem Vormarsch, während die Zahl der Neuerkrankungen in Ländern der sogenannten dritten Welt konstant niedrig bleibt. Durch den Rückgang natürlicher Infektionsquellen in Industrienationen kommt es vermutlich zu einer Unterforderung und Überforderung des Immunsystems. Im Tierversuch konnte bestätigt werden, dass Mäuse weniger Autoantikörper produzieren, wenn sie vorher Kontakt zu Bakterien-Bestandteilen hatten.

 

> Schadstoffe - Fakten:

   - 300 verschiedene synthetische Stoffe in der Muttermilch nachgewiesen

   - Kinder haben mehr Chemikalien im Blut als ihre Mütter   

   - lt. EU-Chemikalien-Richtlinie sind von über 100.000 genutzten Substanzen die 
     wenigsten auf ihr Gefährlichkeitspotential getestet worden

   - 7 Impfstoffe im 3. Lebensmonat; weitere 5 ab 12. Lebensmonat

   - meisten Medikamente im Kindesalter werden im 1. Jahr verschrieben

   - Transfettsäuren entstehen durch industrielle Härtung von Fetten (Chips,

     Fastfood) und werden in Zusammenhang mit der Entstehung von Multipler

     Sklerose und Morbus Crohn gebracht

   - Feinstaub aus Verbrennungmotoren

   - Antibiotika in der Tiermast

Vererbung bzw. Veranlagung

Autoimmunkrankheiten werden nicht direkt vererbt, so dass man von einer Veranlagung ausgeht, die durch einen exogenen oder endogenen Reiz aktiviert werden kann. Zahlreiche Laborparameter sind bekannt, um die mögliche Veranlagung zu verifizieren oder auszuschließen. Genetisch bedeutet also nicht zwingend unumgänglich. Immer ist ein äußerer oder innerer Auslöser beteiligt, da die in den Genen vorgegebene Bauanleitung für ein bestimmtes Eiweiß noch lange nicht garantiert, dass dieses auch entsteht. Es hängt immer davon ab, auch bei genetischen Krankheiten, in welcher Verfassung der Mensch ist; d.h. welche Vorbedingung er bietet, damit eine bestimmte Erkrankung ausbrechen kann oder nicht.